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Was gibt´s Neues? Hier finden Sie aktuelle Meldungen rund um das Thema Palliative Care. Von uns für Sie zusammengestellt.

2017-04-10

Palliativmediziner kritisiert „Geschäft mit dem Lebensende“

Der Palliativmediziner Matthias Thöns hat Übertherapien am Lebensende scharf kritisiert.

Häufig würden alte und schwer kranke Menschen, auch wenn kein Therapieerfolg mehr zu erwarten sei, mit allen Mitteln der Apparatemedizin behandelt. Eine aktuelle Untersuchung zeige sogar, dass drei von vier jungen Krebsbetroffenen noch in ihrem letzten Lebensmonat eine zu aggressive Therapie erhielten, sagte der Vorsitzende des Palliativnetzes Witten im Interview in der März-Ausgabe der Pflegefachzeitschrift „Die Schwester Der Pfleger“. Als Hauptgrund für ein Zuviel an Behandlung nannte Thöns vor allem wirtschaftliche Anreize. Hinzu kämen Unsicherheiten des Arztes und eingefahrene Routine.

Der Stellvertretende Sprecher der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin betonte jedoch auch, dass der Patientenwille stets im Fokus stehe. Wenn dieser eine Behandlung wünsche, sei es „zutiefst unethisch und rechtlich unzulässig“, ihm diese vorzuenthalten. Es müsse allen klar sein, „dass oberste Richtschnur der Patientenwille ist“.

Wie viel Therapie ein sterbender Mensch am Lebensende brauche, könne keinesfalls pauschal beantwortet werden. Allerdings müsse, wenn Heilung nicht mehr möglich sei, „offen“ über die Erfolgsaussichten der Behandlung wie auch deren Belastungen gesprochen werden, verdeutlichte Thöns in dem Gespräch. Er empfiehlt, rechtzeitig einen Palliativkontakt herzustellen. Außerdem sollte eine Mitbegleitung erfolgen. „Das vermindert aggressive Therapie, verbessert die Lebensqualität, mindert Depression und verlängert das Leben“, so der Palliativmediziner weiter. „Traurige Realität“ sei jedoch, dass Patienten häufig ins „Nichts“ entlassen würden. Dies hält Thöns für eine „geradezu perverse Medizin“. Solch einen „Umgang mit den Schwächsten“ könne sich keine Gesellschaft leisten, kritisierte er.

Quelle: „Die Schwester Der Pfleger“, 03/17, S. 22 ff.